Rund um die Gesundheit - Pferde richtig entwurmen

 


 

Ein seit alters her bekanntes Problem beim Pferd ist der Wurmbefall und die regelmäßige Entwurmung gehört zur Selbstverständlichkeit eines jeden Pferdehalters. Trotzdem ist das Wurmproblem bis heute nicht im Griff. Fehler bei der Weidepflege oder im Entwurmungsplan tun ein Übriges.

Immer noch gibt es tödlich verlaufende Verwurmungen beim Pferd. Weit über die Hälfte aller Koliken liegt ein akuter Wurmbefall zu Grunde.

 

HINWEIS:

Ein Wurmbefall kann man in der Regel nicht sehen. Sieht man die Parasiten im Kot oder fällt die starke Abmagerung oder ein Durchfall auf, ist es oft schon zu spät. Deshalb erst gar nicht so weit kommen lassen!!

Beobachtete Reaktionen auf eine Entwurmung, werden des öfteren fälschlicherweise auf eine Medikamentenunverträglichkeit geschoben, dabei kann die Ursache ein massenhaftes Absterben von Würmern sein. Bei der Einhaltung eines Entwurmungsplanes kommen diese Probleme praktisch nicht vor.

 

Dagegen hilft nur Kenntnis über die Würmer und ihre Entwicklungszyklen und ein darauf abgestimmter Entwurmungsplan.

Die Entwurmungsmittel die uns heute zur Verfügung stehen, sind auf ihre Wirksamkeit getestet und sehr gut verträglich. Die Märchen, die behaupten, zu häufige Wurmkuren seien schädlich, sind gefährlich. Der Versuch Wurmkuren durch Einsatz biologischer oder homöopathischer Anwendungen zu ersetzten, ist bisher leider nicht gelungen. Man kann zwar mit einigen Kräutern etwas vorbeugen, aber verhindern bzw. Entwurmen kann man leider nicht.

 

Es gibt viele verschiedene Wurmarten die unser Pferd befallen. Grob kann man sie unterteilen in: Rundwürmer oder Nematoden. Zu ihnen gehören die kleinen und großen Palisadenwürmer, Spulwürmer, Pfriemenschwänze, Zwergfadenwürmer, Lungenwürmer, Magenfadenwürmer und zwei Arten, die Insekten als Zwischenwirte nutzen, die Rollschwänze und die Mikrofilarien.

Zu en Bandwurmverwandten mit Haken zählt man den großen Leberegel, bei den Insekten ist vor allem die Magendassel zu nennen.

 

 

Kleine Palisadenwürmer

Mehr als vierzig Arten dieser Würmer gibt es.. Diese Parasiten können fast 90% des Wurmbefalls ausmachen. Sie sind 0,5cm bis 2,5cm lang und im Erwachsenenstadium gut mit bloßem Auge zu erkennen. Die Würmer leben vor allem im Dickdarm und haben einen relativ einfachen Entwicklungszyklus. Die erwachsenen weiblichen Würmer legen Eier, die mit dem Kot auf die Weide fallen. Dort entwickeln sich innerhalb von fünf bis fünfzehn Tagen ansteckungsfähige Larven, die von den Pferden mit dem Gras wieder aufgenommen werden. Diese Larven bohren sich in die Wand des Dickdarms, entwickeln sich dort etwa sechs Wochen weiter und kommen dann als erwachsene Würmer in den Darm zurück.

Die Entwicklungszeit in der Dickdarmwand ist eine Zeit, in der die Larve mit vielen gebräuchlichen Präparaten nicht erfasst werden können. Diese Larven können in ihrer Entwicklung gehemmt sein und bis zu zweieinhalb Jahre in der Darmwand liegen bleiben. Normalerweise liegen dort einige hundert Larven über den Winter, und das massenweise Auswandern dieser Larven im Frühjahr, führt zu ganz erheblichen Durchfällen. Gelingt es uns, mit einer Wurmkur alle erwachsenen Würmer im Darm zu vernichten, so können wir sicher sein, dass sehr bald neue Erwachsene aus der Darmwand einwandern werden. Man muss also entweder ein Präparat verwenden, das die Larvenstadien in der Darmwand erwischt, oder ganz regelmäßig und in kurzen Abständen die Behandlung wiederholen. Einige dieser Würmer haben eine Resistenz gegen Wurmmittel auf Benzimidazolbasis entwickelt. Diese Medikamente wirken dann nicht.

Starker Befall mit Strongyliden führt zu Abmagerung, Koliken und Durchfall.

 

Große Palisadenwürmer

Auch hier gibt es leider viele Arten deren wichtigster Vertreter der Strongylus vulgaris, der auch Blutwurm genannt wird. Er ist zwei bis fünf Zentimeter lang. Der Entwicklungszyklus beginnt wieder mit dem Ausscheiden der Eier, die von erwachsenen Weibchen  im Darm gelegt werden. Innerhalb von ein bis zwei Wochen entwickeln sich die Eier zu ansteckungsfähigen Larven, die mit dem Gras wieder aufgenommen werden. Im Dickdarm durchbohren die Larven die Darmwand und wandern in kleine arterielle Blutgefäße ein. Von dort aus kommen sie in größere Blutgefäße. Nach etwa elt Tagen hören sie auf zu wandern und setzen sich für einen Zeitraum von bis zu vier Monaten an der Gefäßwand fest. Danach lassen sie sich mit dem Blutstrom zum Darm zurücktragen und bohren sich in die Darmwand ein. Hier ruhen sie dann noch einmal für mehrere Wochen. Danach wandern sie in den Darm wo sie, wenn wir sie nicht davon abhalten, über mehrere Monate leben und Eier ausscheiden.

 

Spulwürmer:

wichtigster Vertreter dieser Gruppe ist Parscaris equorum. Dieser Wurm ist erwachsen etwas 20cm bis 50cm lang!!!

Der Entwicklungszyklus ist interessant. Die erwachsenen Parasiten im Darm scheiden Eier aus, die sehr, sehr widerstandsfähig sind. Sie können in der Außenwelt  unter günstigen Bedingungen über Jahre überleben. In unseren Breiten können sie auch überwintern. Empfindlich sind sie nur gegen Hitze oder gegen einige Desinfektionsmittel, wenn diese lange genug einwirken. Dazu kommt, dass ein erwachsener Wurm in der Lage ist, mehrere hunderttausend dieser haltbaren Eier am Tag zu produzieren. Nimmt ein Pferd nun solche Eier auf, schlüpfen in Dünndarm dann Larven die sich unmittelbar auf Wanderschaft begeben. Zuerst in die Leber, dann in die Lunge, dann in die Bronchien und die Luftröhre in den Rachen. Über die Speiseröhre gelangen sie zurück in den Darm und wachsen zu geschlechtsreifen Würmern heran. Das alles in nur 16 Wochen!  Während dessen haben sie die Darmwand beschädigt, Schäden in der Leber hinterlassen, und Teile der Lunge zerstört. Während dieser gesamten Wanderung sind die Larven für Wurmkuren nicht erreichbar.

 

Pfriemenschwänze 

Die erwachsenen Würmer sind bis zu zehn Zentimeter lang. Ihr Entwicklungszyklus dauert etwa vier Monate. Interessant ist, dass wir von diesem Wurm auch die Eier sehen können. Zur Eiablage verlässt das Weibchen den Darm und legt seine Eier als schnurförmige Pakete rechts und links der Afteröffnung ab. Kleben Sie ein Stück durchsichtiges Tesa drauf und ziehen es ab. Geben Sie es ihrem Tierarzt zur Untersuchung.

 

 

 

 

Zwergfadenwürmer

Dieser Wurm ist für ältere Pferde ungefährlich, kann aber Fohlen töten. Er ist nur einen Zentimeter kurz und benötigt für seine gesamte Entwicklung nur acht bis vierzehn Tage. Gefährlich für Neugeborene Fohlen– bis etwa zur siebten Lebenswoche – ist vor allem, weil er mit der Muttermilch auf das Fohlen übertragen wird. Häufig entstehen bei dem Fohlen erhebliche Durchfälle, die schnell tödlich sein können. Der zu Beginn der zweiten Lebenswoche milde und nur zwei Tage anhaltende  Durchfall der Fohlen, bei dem keine Störungen im Allgemeinbefinden auftreten, wird meist nicht durch den Zwergfadenwurmbefall verursacht, sondern kann auf die Rosse der Stute zurückzuführen sein. Der Zwergfadenwurm kann sich auch durch die Haut in das Pferd bohren. Normalerweise bauen Fohlen innerhalb der ersten Lebensmonate eine belastbare Immunität gegen den Zwergfadenwurmbefall auf.

 

Lungenwürmer

Der erwachsene Wurm wird bis zu acht Zentimeter lang und kann in Pferdelungen leben, wobei er sich hier nicht fortpflanzt. Das bevorzugte Wirtstier des Wurms ist der Esel. Kommt ein neues Tier zum Bestand, entwurmt man zweimal im Abstand von sechs Wochen  mit Ivermectin und folgt dann dem normalen Entwurmungsplan.

 

 

 

 

Magendasseln

 Vorsicht, dies ist kein Wurm sondern ein Insekt. Schädlich ist die madenähnliche  Larve der Dasselfliege. Nach neueren Untersuchungen scheint die Befallshäufigkeit mit Magendasseln zuzunehmen. Es ist etwa jedes zweite Pferd betroffen und die Pferde können das ganze Jahr über Dasseln beherbergen. Der Befall ist in den Monaten Dezember bis März am größten, sodass wirksame Behandlungen Ende November bis Mitte Dezember durchgeführt werden und evtl. wiederholt werden müssen.  Dieser Parasit ist sehr kurz ( 0,5 cm ) und sehr schnell in seiner Entwicklung (drei Wochen). Er kann Durchfall und Gewichtsverlust verursachen. Seine Wirte sind vor allem Schafe und Rinder, sodass gegen diesen Wurm der Weidewechsel mit Wiederkäuern nichts nutzt.

Magendasselbefall führt zu Blutarmut, Koliken und Leistungsabfall. Die Dasselfliege legt vor allem in der Zeit von Juli bis September ihre deutlich sichtbaren gelben Eier an den Beinen der Pferde ab. Da das juckt, beißen und lecken die Pferde die betroffenen Stellen und nehmen so die Fliegeneier auf. Im Magen entwickeln sich dann daraus die Larven. Sie können den Parasitendruck zusätzlich verringern, indem Sie regelmäßig im Spätsommer  die Dasselfliegeneier von den Pferdebeinen entfernen. Das geht prima mit einem Trimmmesser für Hunde.

 

 

Rollschwänze

Der erwachsene Wurm ist einen bis 3,5 cm lang. Aus seinen Eiern schlüpfen Larven, die im Pferdemist von Fliegenmaden gefressen werden. Während aus der Fliegenmade eine Fliege wird, reift auch der Wurm. Erwachsene Fliegen können dann die Larven außen auf dem Pferd ablegen, wo sie vom Pferd abgeleckt werden und so wieder in den Darm kommen.

 

Mikrofilarien

Der erwachsene Wurm ist fünf bis 30cm lang. Im Pferd lebt unter der Haut und anderswo ein embryonale Larve dieses Wurms, eine Mikrofilarie. Diese ist sehr klein ( 0,25mm ) und wird von der Stechmücke Culicoides nebeculosus auf das Pferd übertragen. Da diese Mücke bevorzugt an den Seiten und beiderseits der Rückenpartie sticht, entsteht hier auch der Juckreiz durch die in der Haut weiterlebenden Mikrofilarien. Diese können im Pferd Sehnenscheiden, Sehnen, das Nackenband und sogar ins Kammerwasser der Augen wandern.

 

Bandwürmer

Der Bandwurm ist fies und sehr lang. Er erreicht ohne Probleme 80cm Länge.  Bandwürmer werden bei der Routineentwurmung nicht erfasst. Sie sind schwierig nachzuweisen. Es gibt Kotproben aus denen kein Befund erhoben werden kann, auch bei an Bandwürmern erkrankten Pferden.

 

 

 

Große Leberegel

Zum Glück findet man den großen Leberegel nicht so häufig. Hauptwirt ist das Rind. Leberegelbefall kommt vor allem in mildem und feuchtem Klima vor. Das liegt daran, dass ein Teil  des drei- bis viermonatigem Entwicklungszyklus in einer Zwergschlammschnecke stattfindet. Wo es diese Schnecke nicht gibt, kann der Leberegel nicht leben. Ein Befall mit Leberegeln verursacht Blutarmut und Gewichtsverlust. Der Leberegel wird von Routine-Entwurmungen nicht erfasst.

 

Stallmanagement

Selbstverständlich ist die tägliche Entmistung und sehr hilfreich die regelmäßige Reinigung der Box mit einem Dampfstrahler. Die Boxenwände sind a besten weiß und trocken, sodass die Larven nicht gerne an ihnen hochklettern. Gegen die Würmer hilft auch wenn nicht vom Boden gefüttert wird, damit das Futter keinesfalls mit den Eiern oder Larven kontaminiert wird. Die natürliche Fresshaltung der Pferde ist aber anders. Zwar tun wir mit der Fütterung aus Raufen etwas gegen die Parasitenbelastung, aber wir nehmen dafür Haltungsschäden, zum Teil Rückenschmerzen und bei Fütterung von Heu aus Raufen auch Atemwegsbelastung und Augenreizung in Kauf.

 

Weidemanagement

Das Folgende gilt für Pferde die auf die Weide kommen – sei es auch nur für kurze Zeit. Es ist sehr wichtig, dass die Weide nicht dauerhaft von den Pferden genutzt wird. Jeder, auch der kleinste Betrieb, sollte sein Weideland wenigstens einmal unterteilen, damit ein Teil immer ruhen kann. Optimal ist es, einen Weideteil wenigstens vier Monate ruhen zu lassen. Wenn das gar nicht geht, versuchen Sie es wenigstens sechs Wochen, das kann die Parasitenbelastung schon senken.

Sinnvoll ist es, vor dem ersten Weidegang einen kleinen Bereich vorzumähen und abzustecken. Durch weitersetzen des Zaunes kann man dann täglich den Bereich, von dem gefressen wird, erweitern. Dies gewährleistet, dass gleichmäßig abgefressen wird, ohne dass die Pferde sich überfressen. Ideal ist es pro Hektar zwei Pferde unterzubringen.

Von dem Moment, an dem Wurmeier in Pferdeäpfeln herunterfallen, bis zum Auswandern der Larven vergehen etwa drei Tage. In dieser Zeit sollte der Haufen entfernt werden. Nur so eine Absammlung nützt etwas.

Auf verseuchte Weideland nehmen Pferde auch unmittelbar nach der Wurmkur wieder Tausende neuer Larven auf und sind so bereits wenige Tage nach der Wurmkur ebenso voller Parasiten wie vorher. Es ist deshalb nicht sinnvoll, wie häufig praktiziert, die Pferde drei Tage vorm Umtreiben auf eine neue Weide zu entwurmen. Besser ist es , die Pferd zu entwurmen, direkt auf die neue Koppel stellen und dann drei Tage lang täglich gründlich den Mist von der Weide zu entfernen. Weidepferde nach der gegebenen Wurmkur für drei Tage im Stall einzusperren um sich das lästige Absammeln zu ersparen, kann gefährlich sein. Das Absterben der Würmer ist ohnehin schon eine Belastung für den Organismus. Zusätzlich eine Futterumstellung (von Gras auf Heu ) und Stress kann Koliken begünstigen.

 

Fortsetzung folgt…..

 

 

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