Der Darm -

von größter Wichtigkeit für das Immunsystem

 


 

Start der spannenden Reise ins innere des Pferdes ist die Maulhöhle. Hier wird das Futter mit 60 bis 80 Kieferschlägen je Minute zerkleinert. Der gesamte Verdauungstrakt des Pferdes ist auf die kontinuierliche Aufnahme kleiner Futtermengen, ursprünglich grobfaseriger Pflanzen, eingestellt. Wenn es die Haltungsbedingungen erlauben, verbringen unsere heutigen Pferde- so wie ihre Vorfahren in der Steppe- etwa 12 bis 18 Stunden am Tag mit Fressen.

Anders als bei Menschen oder Hunden, läuft Pferden beim Anblick und Duft von Leckereien das sprichwörtliche Wasser nicht im Munde zusammen. Bei ihnen erfolgt die Speichelproduktion rein mechanisch. Im Pferdespeichel befinden sich kaum Verdauungsenzyme, jedoch reichlich Bikarbonat. Dieses dient später zur Neutralisierung der Magensäure. Je länger ein Pferd zur Zerkleinerung der Nahrung benötigt, desto mehr Speichel wird produziert - ein wichtiger Faktor im Hinblick auf das Fütterungsmanagement. Rauhfutter wird länger gekaut und somit intensiver eingespeichelt als Krippenfutter.

 

1 Kg  

benötigte Fresszeit

Speichelproduktion

Rauhfutter

40 - 50 Minuten

3 - 5 Liter

Kraftfutter

10 - -15 Minuten

1 - 1,5 Liter

 

 

 

 

 

Der Magen

Der Pferdemagen hat im Verhältnis zur Größe des Tieres mit etwa 15 - 20 Litern ein relativ kleines Fassungsvermögen. Zum Vergleich: Der Dickdarm fasst ca. 130 Liter. Im vorderen, drüsenlosen Teil des Magens wird kein Magensaft gebildet, daher liegt der ph-Wert im basischen Bereich. Mikroorganismen sorgen in diesem Teil für das Zersetzen von leicht verdaulichen Kohlenhydraten und geringen Proteinmengen. Durch Muskelkontraktionen wird der Mageninhalt in den mit Drüsen besetzten Bereich geschoben. Hier wird die zur Verdauung notwendige Salzsäure gebildet, die zudem in der Nahrung enthaltene Bakterien abtötet. Außerdem gibt die Magenschleimhaut das Enzym Pepsin ab, welches Eiweiße in wasserlösliche Peptide spaltet.  Ei lockerer, feuchter Futterbrei kann gut durchgemischt und mit Magensaft durchfeuchtet werden. Bei strukturarmem Futter, geringer Kautätigkeit und vermindertem Einspeicheln, zum Beispiel durch hohe Kraftfuttergaben, befindet sich dagegen im Magen eine relativ trockene kompakte Masse, die nur schwer von Magensaft durchdrungen wird. Fehlgärungen mit entsprechender Gasbildung können die Folge sein und zu einer Überdehnung des Magens führen.

 

Der Dünndarm

Der über 20 Meter lange Dünndarm gliedert sich in Zwölffingerdarm, Leer- und Hüftdarm. Die Eigenbewegungen des Darmes dienen sowohl dem Durchmischen als auch dem Transport des Darminhalts und beruhen auf dem regelmäßigen Zusammenziehen der Längs- und Ringmuskulatur.

In diesem Abschnitt findet die enzymatische Verdauung leicht verdaulicher Anteile der Nahrung statt. Drei Sekrete sind an dieser Aufgabe beteiligt: Darmsekret, das in der Darmschleimhaut gebildet wird, Bauchspeicheldrüsensekret sowie Gallenflüssigkeit, die in der Leber gebildet und über die Leber- bzw. Gallengang in den Dünndarm geleitet wird.  Da Pferde keine Gallenblase als Zwischenspeicher haben, erfolgt die Abgabe direkt in den Darm. Die Bauchspeicheldrüse produziert  u.a. Alkalien zur Neutralisierung des sauren Magensaftes. Dadurch wird der ph-Wert von 3 (sauer) am Magenausgang auf etwa 7 ( neutral) angehoben; ein wichtiger Vorgang, damit die Enzyme ihre optimale Wirkung entfalten können.

 

 

Zahlen und Fakten

Verweildauer des Nahrungsbreis

Magen

ca. 1 - 5 Stunden

Dünndarm

ca. 1,5 Stunden

Dickdarm

ca. 34 - 46 Stunden

 

 

Längen der einzelnen Darmabschnitte

Dünndarm

Zwölffingerdarm

1m

Leerdarm

25m

Hüftdarm

070m

Dickdarm

 

Blinddarm

1m

Grimmdarm

8m

Mastdarm

0,30m

 

 

Gesamtlänge

36m

 

Der Dickdarm

Der insgesamt etwa 9 Meter lange Dickdarm gliedert sich in Blinddarm, großen und kleinen Grimmdarm sowie Mastdarm. Im Dickdarm findet der mikrobielle Teil der Verdauung statt. Darüber hinaus synthetisieren Mikroorganismen große Mengen wasserlöslicher Vitamine. Außerdem befindet sich im Dickdarm der körpereigene Wasser- und Elektrolytspeicher des Pferdes. Am Eingang zum Blinddarm reguliert ein Schleimhaut-Ringwall den Transport des Darminhalts. Portionen des Nahrungsbreis werden mehrmals stündlich in den Blinddarm gespritzt. Allein in diesem Darmabschnitt bleibt der Nahrungsbrei bis zu 24 Stunden.

Im Blinddarm, der auch als Gärkammer bezeichnet wird, wartet ein Heer nützlicher Bakterien und Einzeller auf seinen Einsatz. Mit Hilfe einer vitalen Mikroflora wird vor allem die Zellulose aus den bis hierher unverdauten Futterresten zersetzt. Doch die Mikroben legen Wert auf ein "gutes Arbeitsklima". Zur Erhaltung eines für die Bakterien günstigen Milieus ist ein hoher Gehalt an strukturierter Rohfaser in der Nahrung wichtig. Bei niedrigem Rohfaseranteil, vor allem in Verbindung mit gleichzeitig hohen Stärkemengen, kommt es zu einem Anstieg des Milchsäuregehaltes, der ph-Wert sinkt und die Darmbakterien sterben ab. Die damit verbundene Toxinbildung ist zum Beispiel Auslöser der gefürchteten Hufrehe.

Bei rohfaserreicher Fütterung enthält der verbliebene Futterrestebrei  in diesem Abschnitt kaum Stärke, Zucker und Protein. Er kann mikrobiell nur langsam angegriffen werden und die Gefahren von Fellgärungen und Gasbildung (Koliken) sinken.

Dem Blinddarm angeschlossen ist die zweite Gärkammer, der große Grimmdarm. Hier wird die Zellulose-Verdauung weitere 18 - 20 Stunden fortgesetzt. Der kurze Querdarm stellt den Übergang zwischen großem und kleinem Grimmdarm her. Letzterer besitzt sackähnliche Ausstülpungen, die für die typische "Apfel-Form" des Kots verantwortlich sind. An den kleinen Grimmdarm schließt als letzte Station der Mastdarm, der mit etwa 30 Zentimetern kürzester Teil des Verdauungstraktes,  an. Auf diesem letzten Teil der Reise wird den unverdauten Resten des Nahrungsbreis massiv Wasser entzogen. Die Darmperistaltik presst den Kot Richtung After -  Endstation. Bei einer geregellten Verdauung setzt das Pferd rundlich geformte Kotballen ab - etwa alle 30 - 90 Minuten. Die täglich produzierte Menge beträgt je nach Fütterung 15 - 20 Kilogramm.

(Quelle: Pferdemarkt)

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