Festliegen beim Pferd - Wettlauf gegen die Zeit!  


 

Pferde können sich keine lange Liegezeit leisten. Meistens endet deshalb die Tiefschlafphase auf der Seite, bereits nach 20 Minuten. Beim Liegen wirbelt Atmung und Verdauung durcheinander,zerquetscht Nerven und  durch das Eigengewicht wird das Blut abgedrückt. Als Flucht- und Weidetier müssen sie immer wieder in Bewegung sein. Ihr Kreislauf ist darauf ausgerichtet, ständig angeregt zu werden. Ganz anders als bei Katze oder Hund.

 

Drückt der Darm auf die Vene, stockt das Blut

Insgesamt schlafen Pferde so ca. 4 Stunden täglich im Liegen - aber nicht an einem Stück. Klemmen sie sich dann beim Aufstehen fest, droht Gefahr vom eigenen Körper.

Bei einem 500 Kilo schweren Pferd kreisen zwischen 40 und 50 Liter Blut im Organismus. Für eine Runde durch den Körper braucht es dazu nur rund 32 Sekunden. Für das Herz bedeutet das Schwerstarbeit. Mit 34 Pulsschlägen schickt es pro Minute 39 Liter Blut durch den Körper. Liegt nun das Pferd zu lange in der Box auf dem Rücken oder der Seite, stockt dieser Blutfluss, weil die schweren Därme auf die Hohlvene drücken, die unterhalb der Wirbelsäule verläuft. Die Vene transportiert weniger Blut zum Herz, das wiederum weniger Blut in die Arterien pumpen kann. Der Blutdruck sinkt. Ist der Druck im Gewebe größer als die Pumpleistung des Herzens, staut sich das Blut in den Beinen. Wasser schwemmt in das Gewebe, die Beine laufen an.

 

Gesichtsnerven sind beim Liegen sehr stark gefährdet

Eine weitere Komplikation: Pferde liegen sich schnell wund. Wo die Haut nicht durch Muskeln oder Körperfett gepolstert ist und das Gewicht feine Kapillaren und Adern abklemmt, stirbt das Gewebe ab. Zudem können Nerven, die oberflächlich entlang der Knochen laufen, eingeklemmt oder gequetscht werden. Das kann zu Lähmungen führen, wobei vor allem Vorderbeine und Gesicht betroffen sind. Die leichteren Ponys haben damit oft weniger Probleme als Kaltblüter die oft bis zu 1000 Kilo wiegen. Je stärker ein Pferd bemuskelt ist, desto eher leiden auch die Muskeln unter dem hohen Druck, weil die Durchblutung schneller stockt.

Dauerlieger haben aber auch noch ein ganz anderes Problem: Der Darm kann versagen. Die Darmmotorik ist an Bewegung gekoppelt; bewegt sich nichts, fließt zu wenig Blut in die Gedärme, die Verdauung wird gestört. Es entwickeln sich Gase, die zu einer lebensbedrohenden Kolik führen können. 

Auch die Atmung ist betroffen. Das gilt nicht nur beim Festliegen, sondern auch bei Operationen  in Vollnarkose. Je länger sie dauern, desto heikler sind sie fürs Pferd. Flachliegen wirbelt den Gasaustausch in der Lunge durcheinander. Tierärzte nennen dies "Ventilations - Perfusions - Mismatch". Dabei werden die unteren Lungenbereiche gut durchblutet, aber schlecht mit Sauerstoff versorgt. Bei den oberen ist es umgekehrt.

 

Mit jeder Sekunde sinken die Chancen

Wenn Pferde sich festgelegt haben, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Nach drei Tagen Dauerliegen geben sich die meisten Tiere auf. Kommt ein Pferd alleine nicht mehr hoch, RUFEN SIE SOFORT DEN TIERARZT!!  Der kann dann untersuchen ob ein Pferd aus Altersgründen nicht mehr aufstehen kann, ob es sich einfach verkeilt oder zum Beispiel eine Beckenfraktur hat. Pferde die länger als 12 Stunden festliegen, haben mit jeder Stunde weniger Chancen.

Manche Pferde werden während des Festliegen panisch, andere bleiben reglos liegen. Paniker werden für Helfer schnell lebensgefährlich. Pferde reagieren je nach Grund des Festliegens unterschiedlich.   Versuchen Sie deshalb nicht selbst, dem Tier auf die Beine zu helfen. Oft liegen festgelegte Pferde eine Zeitlang ruhig, in der nächsten Sekunde strampeln sie wie wild. Das ist nicht nur für die Helfer gefährlich, sondern auch fürs Pferd riskant. Wenn es mit den Beinen gegen die Wand hämmert, können Knochen brechen. Deswegen ist die Regel Nummer eins - wie bei allen anderen Notfällen auch: Ihre eigene Sicherheit steht an erster Stelle. Warten Sie also auf jeden Fall bis der Tierarzt da ist. Er kann vor Ort einschätzen, ob es nötig ist die Feuerwehr zu rufen. Sobald Sie die Feuerwehr erreicht haben. sollten Sie Ihre Telefonleitung nicht mehr belegen.

 

Panel Boxen sind optimal für notorische Festleger

Neigen Pferde dazu, sich in der Box festzulegen, können Sie mit Panel - Boxen Abhilfe schaffen: Im Notfall sind die einzelnen Elemente ganz schnell auseinandergebaut. Grundsätzlich gilt: Je größer die Box eines Pferds, desto geringer die Gefahr. Es gibt auch spezielle Überrollbügel gegen das Festliegen in der Box. An einem Bauchgurt ist in Höhe des Widerrists ein stabiler Bügel angebracht; dieser soll verhindern, dass sich das Pferd über den Rücken rollt und an der Boxenwand landet!

 

Tipp:

Mittlerweile sind viele deutsche Feuerwehren für die Rettung von Großtieren ausgestattet.

Rufen Sie im Notfall die 112 an. Durch den Einsatz können Kosten entstehen. Die Rettung von Tieren ist in Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Saarland und Sachsen-Anhalt laut Gesetz kostenfrei; in Berlin, Brandenburg, Bremen ist sie kostenpflichtig; in den anderen Bundesländern ist die Kostenfrage nicht gesetzlich geregelt. Fragen Sie bei der örtlichen Feuerwehr nach. Die Schweizer Großtier-Rettung fährt kostenpflichtig Einsätze (Versicherung in Grenznähe Möglich) auch in ganz Deutschland (www.gtrd.ch) Wählen Sie im Notfall: 0041-797007070

 

"Quelle: Cavallo"

 

 

Sprung zum Anfang

Home